Thyssenkrupp Zerschlagung: Ein Blick hinter die Kulissen des Strukturwandels
- Die Thyssenkrupp Zerschlagung: Mehr als nur Schlagzeilen
- Warum der Umbau? Herausforderungen eines Giganten
- Die Kernbereiche im Fokus der Aufspaltung
- Ein Puzzleteil fehlt: Der Verkauf der Aufzugsparte
- Die Zukunft des Stahls bei Thyssenkrupp
- Marine Systems: Ab in See, oder doch an die Börse?
- Weitere Sparten auf dem Prüfstand
- Herausforderungen und Chancen der Neuaufstellung
- Was bedeutet das für die Mitarbeiter?
- Die Zukunft von Thyssenkrupp: Eine Holding mit starken Töchtern?
- Fazit: Die Thyssenkrupp Zerschlagung als fortlaufender Prozess
Die Thyssenkrupp Zerschlagung – ein Begriff, der in den letzten Jahren immer wieder die Runde macht und für viele Diskussionen sorgt. Wenn ich an das Ruhrgebiet denke, denke ich auch an traditionsreiche Industriekonzerne wie Thyssenkrupp. Das Unternehmen, das aus der Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999 entstand, steht seit Längerem vor enormen Herausforderungen und einem tiefgreifenden Strukturwandel. Es geht nicht darum, das Unternehmen komplett aufzulösen, sondern darum, einzelne Geschäftsbereiche zu verselbstständigen, um sie profitabler und wettbewerbsfähiger zu machen. Das Ziel: Eine schlankere Finanzholding, die sich auf strategische Steuerung konzentriert, während die operativen Einheiten eigenständiger agieren sollen.
Warum ist dieser drastische Umbau, oft als Thyssenkrupp Aufspaltung bezeichnet, überhaupt notwendig? Die Gründe sind vielfältig und komplex. Thyssenkrupp hatte in der Vergangenheit mit hohen Schulden, Fehlern bei Großinvestitionen (man denke nur an die Stahlwerke in Brasilien und den USA) und einer komplexen, schwerfälligen Konzernstruktur zu kämpfen. Der Stahlbereich, einst das Herzstück, belastet den Konzern seit Jahren aufgrund von Überkapazitäten, Preisdruck durch Billig-Stahl aus China und den immensen Kosten für die Umstellung auf grünen Stahl. Auch interne Querelen und häufige Wechsel an der Führungsspitze trugen zur Unsicherheit bei. Meine Erfahrung in der Beobachtung großer Konzerne zeigt, dass eine zu breite Aufstellung in heterogenen Märkten oft zu Ineffizienzen führt. Man kann eben nicht gleichzeitig Experte für U-Boote, Autoteile und Stahl sein, ohne dass einzelne Bereiche leiden. Dieser Wandel ist also eine Reaktion auf globale Marktveränderungen und interne Notwendigkeiten.
Der Konzern gliedert sich derzeit in verschiedene Segmente: Automotive Technology, Decarbon Technologies, Marine Systems, Materials Services und Steel Europe. Jede dieser Sparten hat ihre eigenen Marktbedingungen und Herausforderungen. Die Idee hinter der Neuaufstellung bei Thyssenkrupp ist, diesen Bereichen mehr Autonomie zu geben und sie potenziell für Investoren oder Börsengänge zu öffnen. Das soll verborgene Werte freisetzen und die einzelnen Einheiten flexibler machen. Es ist wie bei einem großen Schiff, das in kleinere, wendigere Boote aufgeteilt wird, um schneller auf Kursänderungen reagieren zu können.
Einer der bedeutendsten Schritte in Richtung einer schlankeren Struktur war der Verkauf der profitablen Aufzugsparte, bekannt als tk Elevator. Im Jahr 2020 wurde diese “Ertragsperle” für stolze 17,2 Milliarden Euro an ein Bieterkonsortium verkauft. Dieser Verkauf war essenziell, um Schulden abzubauen und Mittel für den weiteren Konzernumbau zu generieren. Es war ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt, der gezeigt hat, dass thyssenkrupp bereit ist, sich von Teilen seiner Geschichte zu trennen, um eine Zukunft zu haben. Man könnte sagen, es war das erste große Puzzleteil, das neu sortiert wurde.

This image is a fictional image generated by GlobalTrendHub.
Die Stahlsparte, Thyssenkrupp Steel Europe, steht wohl im Zentrum der aktuellen Umbaupläne. Lange Zeit gab es die Idee eines Zusammenschlusses mit Tata Steel, der jedoch 2019 an den Bedenken der EU-Wettbewerbshüter scheiterte. Jetzt wird über ein Joint Venture mit dem tschechischen Investor Daniel Křetínský (EP Corporate Group) verhandelt, bei dem thyssenkrupp nur noch 50 Prozent der Anteile halten würde. Parallel dazu treibt thyssenkrupp Steel die “grüne Transformation” voran, mit milliardenschweren Investitionen in wasserstoffbetriebene Direktreduktionsanlagen, um klimaneutralen Stahl zu produzieren. Dies ist nicht nur eine ökologische Notwendigkeit, sondern auch ein Versuch, sich durch Premium-Güten und Nachhaltigkeit im Markt zu positionieren. Die Verhandlungen mit der IG Metall über die geplante Restrukturierung im Stahlbereich laufen ebenfalls auf Hochtouren. Es wird erwartet, dass tausende Stellen abgebaut oder verlagert werden.
Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) ist eine weitere Sparte, die vor einer potenziellen Verselbstständigung steht. Pläne sehen einen Börsengang (IPO) eines Minderheitsanteils vor. Angesichts des aktuellen Rüstungsbooms verspricht man sich hier gute Chancen am Kapitalmarkt. TKMS ist führend im U-Boot- und Marineschiffbau und könnte als eigenständiges Unternehmen möglicherweise flexibler agieren und neue Investoren anziehen.
Doch der Umbau geht über Stahl und Marine hinaus. Auch der Stahlhandel (Materials Services), die Autozuliefersparte (Automotive Technology), und das relativ neue Segment Decarbon Technologies sollen schrittweise verselbstständigt und für Investoren geöffnet werden. Die Konzernzentrale in Essen soll massiv verkleinert werden, von derzeit rund 500 auf nur noch etwa 100 Mitarbeiter. Ein Insider beschrieb die zukünftige Zentrale drastisch als “Dachgesellschaft ohne Inhalt”. Diese radikalen Einschnitte zeigen, wie fundamental die geplante Neuaufstellung ist.
Die Thyssenkrupp Neuaufstellung birgt sowohl enorme Chancen als auch Risiken. Chancen liegen in der Freisetzung von Werten, der Erhöhung der Agilität der einzelnen Geschäftsbereiche und der Möglichkeit, gezielter in Wachstumsfelder zu investieren. Risiken sind die soziale Akzeptanz des Stellenabbaus, die erfolgreiche Umsetzung der komplexen Strukturveränderungen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld und die Frage, ob die verbleibende Holding langfristig tragfähig ist. Es ist ein Drahtseilakt, der viel Fingerspitzengefühl und strategisches Geschick erfordert.

This image is a fictional image generated by GlobalTrendHub.
Was bedeutet dieser Prozess für die Tausenden von Mitarbeitern bei thyssenkrupp? Naturgemäß sorgt die Ankündigung eines solch drastischen Umbaus für Verunsicherung und Ängste um Arbeitsplätze. Betriebsräte und Gewerkschaften wie die IG Metall sind eng in die Verhandlungen eingebunden, um die Interessen der Belegschaft zu wahren und sozialverträgliche Lösungen zu finden. Es ist eine Gratwanderung zwischen der Notwendigkeit, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen, und der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. Die geplanten Stellenstreichungen, insbesondere in der Verwaltung und im Stahlbereich, sind schmerzlich, aber aus Konzernsicht wohl Teil des Preises für die notwendige Restrukturierung.
Wie sieht die Zukunft von Thyssenkrupp aus? Der Plan scheint auf eine schlanke Finanzholding hinauszulaufen, die Beteiligungen an eigenständigen, operativ geführten Unternehmen hält. Diese Unternehmen sollen kapitalmarktfähig gemacht und für Investoren geöffnet werden. Die Strategie erinnert an das, was mit Thyssenkrupp Nucera bereits erfolgreich umgesetzt wurde – einer Tochtergesellschaft im Bereich grüner Technologien, die 2023 an die Börse gebracht wurde. Ob dieses Modell auch für die traditionelleren Bereiche wie Stahl oder Marine Systems funktioniert, wird die Zeit zeigen. Es ist ein langer Weg, der Geduld und eine konsequente Umsetzung erfordert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Thyssenkrupp Zerschlagung im Sinne einer vollständigen Auflösung wohl nicht das richtige Wort ist. Vielmehr handelt es sich um einen fundamentalen Thyssenkrupp Strukturwandel, bei dem der Konzern durch die Verselbstständigung und Neuaufstellung seiner Geschäftsbereiche versucht, seine Zukunftsfähigkeit zu sichern. Es ist ein notwendiger, aber auch risikoreicher Prozess, der alle Beteiligten vor große Herausforderungen stellt. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob dieser radikale Umbau die gewünschten Erfolge bringt und ob thyssenkrupp als schlanke Holding mit starken, eigenständigen Töchtern wieder zu alter Stärke findet.