Karl Dürtscher GPA: Ein Nachruf auf eine prägende Persönlichkeit
- Eine Ära geht zu Ende: Karl Dürtscher und die Gewerkschaft GPA
- Wer war Karl Dürtscher? Stationen eines engagierten Lebens
- Seine zentrale Rolle als Bundesgeschäftsführer und Chefverhandler
- Prägende Erfolge am Verhandlungstisch
- Die Bedeutung von Karl Dürtscher für die Sozialpartnerschaft
- Sein Vermächtnis und die gelebten Werte
- Persönliche Einblicke und Würdigungen von Wegbegleitern
- Karl Dürtscher GPA: Eine bleibende Lücke
Karl Dürtscher GPA – dieser Name stand für Jahrzehnte unermüdlichen Einsatz für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich. Wie ich kürzlich mit großer Betroffenheit erfahren habe, hat die Gewerkschaft GPA eine ihrer zentralen und prägendsten Persönlichkeiten verloren. Wenn man auf die Laufbahn von Karl Dürtscher bei der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) blickt, sieht man einen Mann, der mit Leidenschaft und Verhandlungsgeschick die Arbeitswelt in Österreich maßgeblich mitgestaltet hat. Sein Tod hinterlässt eine spürbare Lücke, nicht nur innerhalb der GPA, sondern in der gesamten österreichischen Sozialpartnerschaft.
Geboren 1961 in Vorarlberg, begann Karl Dürtschers Weg im Arbeitsleben mit einer Lehre und später einer Tätigkeit in der Industrie. Dieser frühe Kontakt zur Arbeitswelt dürfte sein Verständnis für die Anliegen der Beschäftigten tief geprägt haben. Was mich an seiner Biografie besonders beeindruckt, ist der relativ frühe Wechsel zur Gewerkschaftsbewegung im Jahr 1985. Er begann seine Karriere in der Sektion Handel und übernahm dort schnell Verantwortung als Fachgruppensekretär und später als stellvertretender Leitender Sekretär. Das zeigt für mich, wie früh sein Talent und sein Engagement erkannt wurden.
Meine eigene Erfahrung in der Beobachtung der österreichischen Sozialpartnerschaft hat mir immer wieder gezeigt, dass es Menschen braucht, die nicht nur fachlich versiert sind, sondern auch das Herz am rechten Fleck haben. Karl Dürtscher scheint genau so jemand gewesen zu sein. Er widmete sich der Gewerkschaftsarbeit mit einer Hingabe, die aus Überzeugung resultierte. Seine Wurzeln in der Praxis gaben ihm sicher eine authentische Perspektive auf die Herausforderungen, denen sich Arbeitnehmer täglich stellen.
Innerhalb der Gewerkschaft GPA stieg Karl Dürtscher kontinuierlich auf. Nachdem er über lange Jahre in verschiedenen Funktionen tätig war, wurde er 2017 stellvertretender Bundesgeschäftsführer und übernahm ab 2018 die Position des Bundesgeschäftsführers. In dieser Funktion war er unter anderem für den wichtigen Geschäftsbereich Interessenvertretung zuständig. Als Bundesgeschäftsführer trug er maßgebliche Verantwortung für die strategische Ausrichtung der Gewerkschaft und die Koordination der vielschichtigen Arbeit, die die GPA leistet.
Doch weit über administrative Aufgaben hinaus war Karl Dürtscher vor allem als “Herr über 170 Kollektivverträge” bekannt und geschätzt. Seine Rolle als Chefverhandler war zentral für die Sicherung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Millionen von Angestellten in Österreich. Wenn man bedenkt, wie viele unterschiedliche Branchen und Berufsgruppen die GPA vertritt – von der Industrie über den Handel bis hin zu Information & Consulting – wird das immense Verhandlungsgeschick und die tiefe Branchenkenntnis deutlich, die dafür erforderlich waren. Es ist eine Aufgabe, die Fingerspitzengefühl, Hartnäckigkeit und ein tiefes Verständnis für die wirtschaftlichen Realitäten auf beiden Seiten erfordert.

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Karl Dürtscher war an zahlreichen Kollektivvertragsverhandlungen beteiligt, die für die österreichische Arbeitswelt prägend waren. Besonders hervorzuheben sind seine Verhandlungen in der Metallindustrie , einem Sektor, der oft als Richtungsweiser für andere Branchen gilt. Diese Verhandlungen sind bekannt für ihre Komplexität und die Notwendigkeit, tragfähige Kompromisse zu finden, die sowohl die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sichern als auch faire Löhne und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten gewährleisten.
Ein weiterer Meilenstein, der untrennbar mit seinem Namen verbunden ist, sind die Verhandlungen rund um die Corona-Kurzarbeit. In einer beispiellosen Krise, die tausende Arbeitsplätze gefährdete, war sein Einsatz als Chefverhandler der GPA entscheidend, um gemeinsam mit den Sozialpartnern und der Regierung Modelle zu entwickeln, die Arbeitsplätze sicherten und vielen Menschen in unsicheren Zeiten Halt gaben. Das war eine Situation, in der schnelle, pragmatische und gleichzeitig sozial ausgewogene Lösungen gefragt waren. Die Fähigkeit, in solchen Drucksituationen ruhig zu bleiben und gleichzeitig die Interessen der Arbeitnehmer entschlossen zu vertreten, zeichnete ihn aus.
Die Kollektivvertragspolitik war, wie oft betont wurde, sein Steckenpferd. Das bedeutet mehr als nur routinemäßige Verhandlungen; es bedeutet, sich mit Herzblut für die Sache einzusetzen, kreative Lösungen zu finden und immer wieder aufs Neue für Verbesserungen zu kämpfen. Sein unermüdlicher Einsatz in diesem Bereich hat konkrete Auswirkungen auf das Leben von Millionen von Menschen in Österreich gehabt, von der Lohnhöhe über Arbeitszeiten bis hin zu Urlaubsansprüchen.
Karl Dürtscher war eine tragende Säule der österreichischen Sozialpartnerschaft. Dieses Modell des Dialogs und der Konsensfindung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern ist ein zentraler Bestandteil des österreichischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Seine Rolle als verlässlicher und verbindlicher Verhandler wurde von allen Seiten geschätzt. In meiner Auseinandersetzung mit diesem Thema habe ich immer wieder festgestellt, dass das Funktionieren der Sozialpartnerschaft stark von den Persönlichkeiten abhängt, die an den Verhandlungstischen sitzen.
Karl Dürtscher brachte die notwendige Mischung aus Kompromissbereitschaft und Standfestigkeit mit, um dieses System lebendig zu halten. Er prägte die österreichische Sozialpartnerschaft über Jahre hinweg entscheidend mit. Seine Fähigkeit, Brücken zu bauen und gleichzeitig die Kernforderungen der Gewerkschaft nicht aus den Augen zu verlieren, war entscheidend für das Erreichen vieler positiver Ergebnisse. Die Sozialpartnerschaft verliert mit ihm einen Akteur, der verstanden hat, dass es am Ende darum geht, faire Lösungen zu finden, die dem Gemeinwohl dienen.

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Was bleibt von Karl Dürtscher über seine konkreten Verhandlungserfolge hinaus? Ich denke, es sind vor allem seine Werte und sein unerschütterlicher Glaube an die Gewerkschaftsbewegung. Er war ein “leidenschaftlicher Kämpfer für die Interessen der Arbeitnehmer:innen”, wie es ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian formulierte. Kolleginnen und Kollegen beschrieben ihn als verlässlichen Partner, als Herzblut-Gewerkschafter und als Mensch, auf den man sich immer verlassen konnte.
Seine “Handschlagqualität” wurde oft hervorgehoben – eine Eigenschaft, die in Verhandlungssituationen von unschätzbarem Wert ist und auf tiefem gegenseitigem Respekt basiert. Er glaubte an die Stärke der Gemeinschaft und den Wert fairer Arbeitsbedingungen. Diese Überzeugungen lebte er in seiner täglichen Arbeit. Sein Engagement ging über die reinen Kollektivvertragsverhandlungen hinaus; er war auch in verschiedenen Funktionen in der Sozialversicherung und in der Arbeiterkammer Wien aktiv. Das unterstreicht sein breites Interesse und seinen Wunsch, das Leben der Arbeitnehmer auf verschiedenen Ebenen zu verbessern.
Auch in weniger bekannten Bereichen, wie etwa als Vorsitzender der Österreichischen Medienakademie, brachte er sein Engagement ein. Das zeigt, dass sein Horizont weit über die klassischen Industrie-Kollektivverträge hinausging und er bereit war, sich für verschiedene Anliegen der Angestellten einzusetzen.
Die zahlreichen Reaktionen auf seinen Tod zeugen von der Wertschätzung, die Karl Dürtscher entgegengebracht wurde. Barbara Teiber, die Vorsitzende der Gewerkschaft GPA, beschrieb ihn als “lieben Freund, erfahrenen Kollegen und aufrechten Gewerkschafter”. Diese Worte spiegeln die menschliche Seite wider, die neben dem professionellen Verhandler existierte. Man spürt, dass er nicht nur ein Kollege, sondern für viele auch ein Vertrauter war.
Wolfgang Katzian hob hervor, dass für Karl Dürtscher immer die Sache im Mittelpunkt stand und seine Lücke groß sein werde. Solche Aussagen kommen nicht von ungefähr. Sie sind das Ergebnis jahrelanger Zusammenarbeit und des Aufbaus von Vertrauen. Meine eigene – wenn auch externe – Beobachtung seiner Arbeit bestätigte immer wieder den Eindruck eines Mannes, der mit voller Überzeugung und großem Herzen bei der Sache war. Er war, wie ich es sehe, jemand, der zugehört hat, aber auch klar und bestimmt seine Position vertreten konnte. Diese Balance ist selten und wertvoll.
Ein Blick auf die Website der Gewerkschaft GPA oder aktuelle Nachrichten des ÖGB zeigt, wie tief die Trauer über seinen Verlust ist und wie sein Wirken gewürdigt wird. Es ist klar, dass sein Einfluss weit über seine offizielle Funktion hinausreichte und er viele Menschen inspiriert hat.
Der Verlust von Karl Dürtscher GPA bedeutet das Ende einer bedeutenden Ära für die Gewerkschaft der Privatangestellten und die österreichische Sozialpartnerschaft. Seine Arbeit als Bundesgeschäftsführer und insbesondere als Chefverhandler hat das Leben unzähliger Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer positiv beeinflusst. Die Verhandlungen zur Corona-Kurzarbeit sind nur ein Beispiel seines entscheidenden Beitrags in Krisenzeiten. Karl Dürtscher war mehr als nur ein Funktionär; er war ein leidenschaftlicher Gewerkschafter mit Handschlagqualität, dessen Engagement und Werte weiterhin als Vorbild dienen werden. Seine Lücke wird schwer zu füllen sein, doch sein Vermächtnis wird in den vielen erreichten Verbesserungen für die Arbeitnehmer weiterleben. Die Gewerkschaftsbewegung und die Sozialpartnerschaft in Österreich haben ihm viel zu verdanken.